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Chroniken: Tagebuch einer Quarantäne, Teil 5

So, meine lieben Leser, Follower, Freunde, Kollegen, Geschäftsfreunde, nun bin ich also definitiv in der Quarantäne angekommen. 24 Stunden brav zuhause bleiben, 14 Tage lang. Und das werde ich auch durchziehen, wegen mir, wegen meinen Mitmenschen, und natürlich auch weil es von staatlicher Seite her angeordnet wurde. Denn was sind 14 Tage gemessen an der ganzen Lebenszeit eines Menschen, wenn man durch dieses Verhalten Leben schützen, retten kann?!

Mittwoch, der 18.März 2020. Susi, mein Saugroboter saust seit heute morgen 09.00 Uhr fleissig durch mein Apartment. Manchmal muckt sie ein wenig, fängt sich aber wieder schnell ein und arbeitet sich unermüdlich durch die 70qm. Ich mutiere zum Hausmann. Aufstehen, Kaffee, Bett ordentlich richten, Morgentoilette, Wäsche waschen, Abwasch verräumen, Staub wischen, Wäsche trocknen. Bei einem Blogger muss immer alles ordentlich und im optischen Gleichgewicht sein, so denke ich. Und gleichzeitig bewundere ich viele meiner Freunde und Bekannten, die jetzt aus der Langeweile heraus irgendwelche Spaßvideos online stellen, in denen sie sich mal so zeigen, wie sie privat zuhause sind: T-Shirt, Shorts und Badeschlapfen, zum Beispiel.

Ich liebe Kaffee, besonders am Morgen, wenn der Duft frischen Kaffees die ganze Wohnung erfüllt. Es verschafft mir ein Gefühl, trotz der widrigen Umstände, von Wohlbefinden und Geborgenheit. Es gab mal eine nicht allzu weit zurückliegende Zeit, da hatte ich aus gesundheitlichen Gründen gänzlich auf diesen Genuss verzichtet. Und zu diesem Zeitpunkt hörte ich auch mit dem Rauchen auf. Mein Herz hatte laut medizinischen Untersuchungen noch eine Leistung von circa 25 Prozent. Ich hatte wohl, so hart wie ich manchmal mit mir selber umgehe, 2012 einen nicht bemerkten Herzinfarkt oder eine verschleppte Lungenentzündung. So genau liess sich das im Nachhinein nicht mehr recherchieren. Das ist nun auch schon wieder 4 Jahre her.

Und doch wird mir trotz Genesung sehr schnell bewusst, das ich auf Grund dieser Vorerkrankung zur einer Risikogruppe in Zeiten von Covid-19 zähle. Aber es geht mir gut, echt gut. Keine Beschwerden, kein Husten, keine Halsschmerzen, keine erhöhte Temperatur, kein Schnupfen, nur ein kleines bisschen zu wenig „Auslauf“. Vom oft zitierten „Lagerkoller“ jedoch bin ich wohl noch weit, weit entfernt.

Donnerstag, der 19.März 2020. Seit ich daheim bin, hab ich nicht ein einziges Mal meinen Wecker gestellt. Warum auch, spätestens um 08.00 Uhr bin ich wieder munter. Mein Handy erzählt mir jeden Morgen die gleichen Geschichten, Corona hier, Corona da. Ob Aktienindex, Statistiken oder Politiker, langsam mag ich dieses Wort nicht mehr hören oder lesen. Im Fernsehen sitzen sie jetzt bei Talkshows in 2m Mindestabstand oder machen Konferenzschaltungen. Manchmal denke ich „bloß gut, das ich daheim bin, mich alledem nicht gezwungen bin auszusetzen“.

Ich wurde schon des öfteren gefragt, was eigentlich kulinarisch gesehen mein persönlicher Geschmack wäre. Und gerade in diesen Zeiten erscheint mir mein Geschmack als der genau richtige. Ganz ehrlich, ich brauche privat weder Gänsestopfleber noch Trüffel, auch wenn ich gerne beruflich hin und wieder damit arbeite. Ich habe einen sehr simplen Geschmack: frisch. Einfache, möglichst regionale Produkte, weitestgehend auf Industrieware verzichten, fachgerecht und lecker zubereitet, mit ein wenig Charme auf dem Teller angerichtet. Das war’s. Und ich weiss, das auch frische Produkte durchaus 14 Tage bei entsprechender Lagerung ohne weiteres überleben können. Also mache ich mir um mein leibliches Wohl die geringsten Sorgen.

Freitag, der 20.März 2020. Seit heute bin ich offiziell beim AMS arbeitslos gemeldet. Und das in einer Branche, in der normalerweise händeringend nach qualifizierten Fachkräften gesucht wird. Manchmal frage ich mich, ob das was ich tue und zeige, vielleicht schon den einen oder anderen dazu inspiriert hat, den Beruf des Kochs zu ergreifen. Ich glaube, das wäre mein grösster Erfolg. Denn nichts brauchen wir in der Gastronomie mehr, als junge Menschen, die für diesen Beruf brennen. Ihr seht, auch ich lenke meinen Blick trotz all der widrigen Umstände derzeit, in Richtung Zukunft, lasse mir meinen Optimismus durch einen mikroskopisch kleinen Winzling nicht nehmen.

Fortsetzung folgt…

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