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Chroniken: Tagebuch einer Quarantäne, Teil 3

Es ist Montag, der 16.März 2020. Der Tag, an dem in Österreich alle Schigebiete offiziell Ihren Betrieb eingestellt haben. Ich erinnere mich an gestern, als ich mich noch am Arlberg befand. An das packen meines Gepäcks, spät am Abend, an eine nicht wirklich erholsame Nachtruhe, das Erwachen noch vor dem Wecker. War das Angst? Nein, nicht wirklich. Wohl eher eine innere Unruhe.

Alles war im Aufbruch. Walter versuchte seinen Dieselmotor zu starten, David, mein Juniorchef des Hauses und Sohn der Familie wickelte die ersten Übergaben der Lohnzettel und Bescheinigungen mit den Mitarbeitern ab, im Mitarbeiterraum halb angetrunkene Kaffeetassen, Wurst, Käse, Marmeladen und Butter standen noch bereit. Und meine Küche: sauber aber verlassen, still.

Es waren herzliche Verabschiedungen, sorglos, mit kräftig in die Arme nehmen, drücken, lachen, den besten Wünschen und einem gesunden Wiedersehen in der nächsten Wintersaison. Aber im Grunde hätten wir uns bereits zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr die Hände reichen dürfen. Und doch taten wir es. Alles schien uns so vertraut, geborgen, sicher. Niemand wäre in diesem Moment auch nur ansatzweise auf die Idee gekommen, Böses zu erwarten.

Ich habe Markus, unseren Chefrezeptionisten noch, wie tags zuvor versprochen, zum Bahnhof nach Langen geführt. Und obwohl St.Anton zu diesem Zeitpunkt schon unter Quarantäne stand, die Ortsdurchfahrt aber offen sei, beschloss ich nicht durch den Arlbergtunnel zu fahren. Zu düster erschien mir die Vorstellung kilometerweit durch diese graue, triste Röhre gen Heimat zu fahren.

Am Ortseingang in St.Anton dann der erste Checkpoint: Polizei und Bundesheer hatten sich eingerichtet und kontrollierten jeden, der passieren wollte. Für mich ein Bild, dass ich eigentlich nur aus dem Fernsehen kenne. Aber das hier war Realität. „Grüß Gott, wo wollen Sie hin?“ so die Begrüßung des Soldaten. Ein Passierschein für eine Person, mit Uhrzeit und Nummertafel, und dann durfte ich passieren.

Die Bilder, die sich mir dann boten, werde ich wohl niemals vergessen. St.Anton, einer der wohl am besten besuchten Wintersportorte hier am Arlberg, war Menschenleer. Keine Gasse, keine Straße erweckte auch nur den Anschein von Leben. Ich musste laut vorheriger Anweisung meine Durchfahrt ohne Anhalten oder unnötigen Stop fortsetzen. Am Ortsausgang dann der zweite Checkpoint. Gleiches Bild, Polizei und Bundesheer, Atemschutzmasken, Kontrolle, gute Fahrt.

Fortsetzung folgt…

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